Du fragst dich wie ich hier her gekommen bin? Willst du die kurze oder die lange Version? Die kurze ist: Ich lebte in einer gemütlichen Wohnung in Wolperting, dann traf ich in Buchhaim auf Prof. Nachtigaller, er machte mir den Vorschlag, die Nachtschule zu besuchen und ich willigte natürlich ein.

 

 

 

Für die lange Version muss ich etwas weiter ausholen: Ich hatte keinen solch spektakulären Lebenseinstieg, wie die meisten anderen Wolpertinger. Ich bin auf einem kleinen Bauernhof zwischen Buchting und Kornhaim geboren. Das war der Familienbetrieb meiner Mutter – ja, ich bin ungewöhnlicherweise von meinen Eltern persönlich aufgezogen wurden. Ich finde es wirklich traurig, dass das eine Ausnahme ist.

 

Man brachte mir Rechnen und Schreiben bei und lehrte mir wie man aus Milch Butter stampft, wie man richtig das Korn aussäht und wie man ein Huhn schlachtet. Doch als ich begann immer größer und kräftiger zu werden, sah ich den silbernen Faden am Himmel. Ich ging zu meiner Mutter und fragte sie, ob ich vielleicht krank sein, aber sie wusste natürlich, was es war, also gab sie mir zwei Möglichkeiten: Entweder würde sie mir sagen, was der Faden zu bedeuten hatte und ich würde auf der Farm bleiben oder ich würde die Antwort selber herausfinden müssen, indem ich dem Faden folgte. Es war selbstverständlich, dass ich ihm folgen würde und das war auch meinen Eltern klar, denn ich war früher sehr entdeckungsfreundig und bin immer überall herumgekrochen. Also packte ich die wichtigsten Sachen in einen Rucksack, meine Mutter gab mir ein paar Brote mit, und ich machte mich auf, der Fährte zu folgen. Die Reise war kurz und ereignislos, bis auf eine äußerst gruselige Nacht in einem Maisfeld mit einem Eydeeten und ein paar besessenen Vogelscheuchen. Ich kam dann in Wolperting an, bekam eine Unterkunft, fand eine Beschäftigung in einer Bäckerei und traf meinen Mann.

 

Der Tag, an dem sich dann alles veränderte, war als sich die Schwarze Kuppel öffnete. Ich wachte in einer Zelle auf, angekettet und umgeben von vielen anderen Wolpertingern. Dann kamen Rumo und Urs und all die anderen und befreiten uns. Anschließend gab es eine große Schlacht. Ich werde jetzt nicht näher darauf eingehen, jeder hat Geschichtsunterricht und ein Geschichtsunterricht bei dem diese legendäre Schlacht kein Unterrichtsstoff ist, ist kein wirklicher Geschichtsunterricht. Fakt ist: Ich war dabei! Und danach wanderten wir zurück in die Stadt. Doch eines Nachts, oder während einer Schlafpause – unter der Erde gibt es ja keine Tageszeiten – da sah ich so ein violettes Licht in einem Nebenschacht und ich kletterte hinein. Am Ende stellte sich heraus, dass es ein riesiges, leuchtendes Insekt war, dass mich nach einem langen Kampf vollständig verschlang. Anscheinend viel niemandem mein Fehlen auf, denn nachdem ich mich endlich aus dem Körper des Insektes befreit hatte – fragt mich bitte nicht, wie – da waren alle schon weg.

 

Von da an streifte ich Wochenlang durch das Gestein bis irgendwann die Bücherregale begannen. Ich hatte zuvor nie etwas von dem Labyrinth unter Buchhaim gehört. Aber ich folgte den Bücherregalen. Wenn es weniger wurden kehrte ich um, wenn es mehr wurden, lief ich schneller. Und nach vielen, harten Wochen, die ich nur durch das Essen von kleinen Insekten und Algen überleben konnte, gelangte ich zu dem Eingang des Reiches der Buchlinge. Es roch sehr einladend und den furchteinflößenden Eingang konnte ich sowieso nicht sehen, da meine Sehfähigkeiten in der Dunkelheit immer mehr nachgelassen hatten. Ich wurde von de Buchlingen aufgenommen und gepflegt.

 

Nach einigen Wochen, bekam ich Sehnsucht nach Oben. Ich hatte von dem schmalen Tunnel durch Regenscheins Buch erfahren. Und da ich wieder bei Kräften war, begann ich den Aufstieg.

 

Es war nicht leicht, aber der Wunsch, endlich wieder das Licht zusehen war stärker. Als ich dann in Buchhaim herauskam, blieb ich zuerst einmal da. Ich nahm einen Job als Wächterin an und musste von da an die Touristen dazu anhalten, die Gesetze zu befolgen, bis ich wieder auf Prof. Nachtigaller traf. Er war gerade unterwegs um einen alten Freund und Kollegen zu treffen. Er fragte mich, was alles nach Kornheim geschehen sei. Ich erzählte ihm meine Geschichte und er erzählte mir von seiner Dunkelforschung. Als ich ihm dann meine eigene Vorliebe für Dunkelheit erklärte, wurde er aufmerksam. Er erzählte mir viele Dinge uns als er dann unter großem Protest meinerseits gehen wollte, meinte er, wenn ich mich doch so für diese Themen interessieren würde, könnte ich ihn mal in den Finsterbergen besuchen. Ja und nun bin ich hier!

 

 

 

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